Cockerwut - Das Cocker Rage Syndrom

Cocker Spaniel im Training - Hilfe gegen die Cocker Wut? Infos über das Cocker Rage Syndrom.
Cocker Spaniel sind beliebte Familienhunde. Die Rasse ist mit einem nicht unbeachtlichen Jagdtrieb ausgestattet, ihre jagdliche Aufgabe besteht darin, Wild aufzuscheuchen und in Richtung Jäger zu treiben. Dem Cocker liegt auch das apportieren. Der Cockerspaniel will also auch als Familienhund ausgelastet sein und benötigt daher ausreichend Beschäftigung. Denn Hunde, besonders Angehörige solcher Rassen, die einst dazu gezüchtet wurden, eine Aufgabe zu erfüllen, entwickeln in rein familiärer Haltung schnell Verhaltensaufälligkeiten. Sie bellen z. B. vermehrt, verteidigen Ressourcen und es wird sogar von stereotypen Verhaltenweisen berichtet. Grundsätzlich brauchen Cocker Spaniel, wie jede andere Hunderasse auch, klare Regeln und eine ordentliche Erziehung.

Die Cockerwut - Aggressionsanfall ohne Anlass

Nun gibt es aber auch einen Begriff, der fällt, wenn - besonders Spaniel - scheinbar grundlos aggressives Verhalten zeigen: Die sogenannte Cockerwut, im Englischen Cocker Rage Syndrom. Erste Fälle wurden in den 1970er Jahren verzeichnet, als der Cocker Spaniel zum Modehund avancierte. Das hat noch nie etwas gutes bedeutet, und das war in den 1970er Jahren bereits so. Wenn ein Hund Modehund wird, steigt die Nachfrage, die Preise für Welpen steigen und unseriöse Züchter und Vermehrer produzieren Hundenachwuchs in Hundefabriken.

Erebte Krankheit?

Während die einen in der Cockerwut eher eine dominat motivierte Verhaltensstörung sehen, deutet für andere vieles darauf hin, dass es eine - sogar ererbte - Krankheit ist, die ein anfallsweise erhöhtes Aggressionspotential zur Folge hat. Meist werden diese Anfälle durch Stress ausgelöst. Besitzer beobachteten verengte Pupillen, einen abwesenden Blick, die Hunde knurrten, zitterten und attackierten wie im Wahn. In den allermeisten Fällen sind Familienmitglieder die Opfer. Nach den Attacken, die nur bis zu wenigen Minuten anhalten und während derer die Hunde einen völligen Kontrollverlust über ihr Verhalten zu erleiden scheinen, seien die Hunde erschöpft und orientierungslos. Die Cockerwut wird oft mit Epilepsie verglichen, auch der Krankheitsverlauf scheint dazu zu passen. Das Durchschnittsalter, bei dem erste Symptome auftreten, liegt bei 7,4 Monate (3-24 Monate).

Symptome Cockerwut

Anfallsartige, grundlos und unprovoziert - Cocker Rage Syndrom

Wissenschaftlich ist das Cocker Rage Syndrom kaum erforscht, somit ist auch zu den Ursachen wenig bekannt. Obwohl es Hinweise darauf gibt, dass es vererbt wird, scheint es weder an das Gen für Haarfarbe, noch an das Geschlecht gebunden zu sein, weil es bei allen Farbtypen und beiden Geschlechtern auftritt. Es wird jedoch vor allem bei einfarbigen, besonders den roten Cockern beobachtet. Hormonabhängig scheint es ebenfalls nicht zu sein, da eine Kastration wenig bis keinen Einfluss auf das Verhalten zeigt.

Es gibt bis heute keine gesicherte Diagnosestellung für die Cockerwut.

Cocker Spaniel Gesundheit

Wie bei allen Zuchtlinien, so ist auch der Cockerspaniel vermehrt von Erbkrankheiten betroffen, dazu zählen Augen- und Ohrenkrankheiten, Gelenkserkrankungen, Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems und des Immunsystems. Cocker leiden zudem nicht selten an Epilepsie, was die Theorie nahe legt, dass auch die unerklärlichen Aggressionsanfälle durch fehlgeleitete Nervenimpulse im Gehirn zustande kommen.

Roter Cocker Spaniel hat besondere Probleme mit Stress

Besonders bei roten Cockerspanieln ist ein schlechter Umgang mit Stress bekannt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit einem Gen, das neben der Pigmentierung auch an Cortisolbindungsstellen im Gehirn beteiligt ist. Liegt hier eine Fehlfunktion vor, könnte dies erklären, warum besonders rote Cocker in Stressituationen empfindlicher auf Cortisol reagieren und schneller und häufiger mit aggressivem Verhalten antworten.

Serotinspiegel beim Cocker Spaniel verändert

Auf der Ebene des Gehirnstoffwechsels gibt es weitere interessante Kenntnisse. Neurotransmitter sind Botenstoffe, die die Kommunikation der Nervenzellen unteienander und damit Wahrnehmung und Handeln des Individuums steuern. U.a. bei Menschen, Nagern und Hunden wird ein Zusammenhang mit einem zu geringen Spiegel des Neurotransmitters Serotonin und impulsivem Aggressionsverhalten vermutet. Gehirnwasseruntersuchungen von zu aggressivem Verhalten neigenden Hunden ergaben einen erniedrigten Serotoningehalt. Eine veterinärmedizinische Studie der Fakultät Barcelona verglich den Serotoninspiegel im Blut aggressiver Spaniels mit dem anderer aggressiver Hund und stellte einen signifikanten Unterschied zu Ungunsten der Spaniel fest. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die scheinbar anfallsartige und grundlose Aggression eher eine Verhaltensstörung mit neurobiologischem Hintergrund sein könnte, nämlich eine Neigung zu impulsiver Aggression aufgrund eines verringerten Serotoninspiegels.

Vererbte Krankheit oder Verhaltensproblem?

Fallbeispiele berichten grundsätzlich eher über fehlende Auslöser und Anzeichen der heftigen Aggressionsattacken, was zu einem bedeutenden Merkmal des Cocker Rage Syndroms wurde.

Wissenschaftlich wird diese Wahrnehmung gestützt von einer Studie der veterinärmedizinischen Fakultät in Barcelona, deren Ergebnis das Aggressionsverhalten der teilnehmenden Cockerspaniel als vordergründig gegen ihre Besitzer gerichtet und auch zusätlich sehr impulsiv, das heißt ohne vorangehende Warnzeichen wie einer steiferen Körperhaltung, Zähnefletschen oder Knurren, beschreibt.

Hier liefert jedoch eine Studie der veterinärmedizinischen Verhaltenstherapeutin Ilana Reisner eine neue Sichtweise. Besonders dann, wenn man sie vor dem Hintergrund betrachtet, dass auffällige Spaniels vermehrt an Serotoninmangel leiden und dieser im Zusammenhang mit impulsivem Aggressionsverhalten steht.

Für die einen ist die Cockerwut eine Krankheit, andere sehen darin vor allem eine Verhaltensstörung.

Kein Auslöser - keine Vorwarnung bei der Cockerwut

Die teilnehmenden Hundebesitzer berichten, dass es keine Auslöser und Anzeichen für die Attacken gegeben hat. Doch bei Analyse der Angaben zum Aggressionsverhalten fiel auf, dass ein Auslöser in der Regel gegeben war, er wurde jedoch vom Menschen einfach nicht als solcher erkannt. So konnte der Zugang zu einer Ressource wie Futter oder Herrchens Couchplatz zu einer plötzlichen, scheinbar anfallsartigen Aggression führen, die jedoch einfach nur sozial bedingt und war und zudem völlig übersteigert ausfiel. Die eingangs beschriebenen erweiterten Pupillen zeigen hier den erhöhten Erregungszustand des Hundes.

Zusammenfassung Cockerwut - Genetische Ursachen möglich

Zusammenfassend kann man festhalten, dass das aggressive Verhalten von Cockern zwar sowohl genetisch bedingt als auch ohne aussagekräftige Vorwarnung auftritt, aber durchaus Auslöser vorhanden sind, eine epilepsieähnliche Erkrankung hingegen bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden konnte.

Die Rolle der Zucht beim Cocker Rage Syndrom

Die Zahl der Fälle von Cockerwut steigt nicht überproportinal zur Anzahl der gezüchteten Hunde, was darauf hinweist, dass Zucht das Problem nicht verstärkt. Dennoch kann Zucht dazu dienen, die Fälle anfallsartiger Aggrssion weiter zu dezimieren, indem über die Erkrankung aufgeklärt und die einzelnen Fälle gemeldet und ernst genommen werden, damit die betroffenen Tiere sowie deren Vorfahren aus der Zucht ausgeschlossen werden. So sollte es ja auch bei anderen Erbkrankheiten die Regel sein, um die Cocker Spaniel Gesundheit zu erhalten. Sollte ein erkranktes Tier eingeschläfert werden, lohnt sich eine Obduktion, um sicher zu stellen, dass es keine anderen Ursachen für die aggressiven Attacken gab, wie z. B. ein Gehirntumor.

Andere Hunderassen von Cockerwut auch betroffen

Neben Spaniels sind auch andere Rassen betroffen, berichtet wurde von solchen Aggressionsattacken bei Golden Retrievern, verschiedenen Terrier-Rassen, Berner Sennenhunden und Deutschen Schäferhunden. Bei den Cockerspanieln sind sowohl der American Cocker Spaniel als auch der English Cocker Spaniel betroffen.

Was kann ein betroffener Hundehalter bei Cockerwut tun?

Geht man davon aus, dass es sich um eine Verhaltensstörung handelt, die durch Veränderungen im Gehirnstoffwechsel - besonderer Fokus liegt hier auf dem Botenstoff Serotonin - begünstigt wird, ist das Verhalten durchaus händelbar.

Verschiedene Übungen aus dem Hundetraining können die Frustrationstoleranz des Hundes erhöhren und damit möglicherweise das Auftreten der Aggression und auch die Impulsivität des Tieres dämpfen. Klare Regeln und Strukturen geben Sicherheit und weisen dem Hund einen festen Platz in seiner Sozialstrukur - in den meisten Fällen ist dies die Familie - zu. Was dem Hund nicht gehört, kann er nicht verteidigen. Gehört ihm etwas, wie besispielsweise sein Futter zu festen Zeiten, sollte er in Ruhe gelassen werden, um keine Situation zu provozieren, in denen der Hund vermeintlich etwas zu verteidigen hat. Außerdem sollten ihm feste Liegeplätze zugewiesen werden, auf denen er seine Ruhe findet und nicht bedrängt wird. Stehen unkontrollierbare Situationen wie z. B. eine Feier an, kann der Hund mit einer Leine gesichert oder ganz "aus dem Verkehr gezogen" werden. Erzieherische Maßnahmen sind sicherlich die bessere Alternative zur Einschläferung, denn als epilepsieartige Erkrankung betrachtet und verstanden gibt es derzeit noch keine Chance auf Heilung.

Erfahrungsbericht Cockerwut

Achtung: Ob wirklich die Cockerwut vorlag, kann nicht mehr geklärt werden. Aber dieser Cockerspaniel verhielt sich doch, immer ohne Vorwarnung, sehr unberechenbar. Ich kenne die Geschichte auch nur aus Erzählungen, da mir die Beteiligten persönlich bekannt sind.

Die ersten drei, vier Wochen war alles in Ordnung. Der Cockerspaniel (dazu noch in der Fellfarbe rot) war im Alter von drei Jahren übernommen worden, da der Vorbesitzer (wie er sagte) zu wenig Zeit für den Hund hatte und man selbst im Haus wieder einen Hund haben wollte.

Nach einer Eingewöhnungszeit kam dann auch wieder der Alltag. Die Eltern mussten morgens zur Arbeit, die Kinder zur Schule, der Hund blieb zu Hause, stubenrein war er. In den ersten Wochen ging alles gut. Wenn die Kinder von der Schule kamen, kümmerten sie sich um den Hund, dieser fühlte sich auch wohl.

Dann fing die Zeit der Wutanfälle an. Zu diesem Zeitpunkt lebte der Cocker Spaniel nun rund drei Monate in der Familie. Der Hund wurde beid diesen Anfällen regelrecht aggressiv und ging auf die Kinder (zum Glück schon 12 und 14 Jahre alt und nicht ängstlich) los. Und das ohne jede Vorwarnung, ohne ersichtlichen Grund. Diese wehrten sich mit dem Besen bzw. hielten damit den Hund im Schach. Anfangs dachte man noch, es wäre eher ein Zufall gewesen, der Hund wäre vielleicht geärgert worden oder von einer Biene gestochen. Aber die Vorfälle häuften sich.

Da sich die Kinder nun kaum noch nach Hause trauten, da da ja der wütende Cocker wartete, der jederzeit, grundlos eine Attacke bekommen konnte, sollte der Hund nun abgegeben werden.

Es fand sich natürlich im Verwandtenkreis jemand, der alles besser wusste. Es läge nicht am Hund, sondern an der Haltung und überhaupt. Der Hund wurde dorthin abgegeben. Die ersten sechs Wochen ging alles gut. Dann der Anruf. Vorbesitzer (Schwiegersohn, daher mit Schlüssel für Wohnung ausgestattet) eilt zur Hilfe und findet Neubesitzerin auf dem Küchentisch. Davor ein wütender Cockerspaniel.

Es lag wohl doch nicht an der Haltung, sondern wohl doch an einer Krankheit beim Hund. Der musste dann ins Tierheim abgegeben werden. Leider.

Der Cocker Spaniel

Es gibt zwei Arten oder Typen von Cocker Spaniel, die nicht nur vom FCI sondern auch vom AKC (American Kennel Club) anerkannt sind: Betroffen sind beide Arten des Cocker Spaniels (die auch beide als eigenständige Hunderassen mindestens vom FCI und AKC anerkannt sind).

Weitere Namen für die Cockerwut

Neben Cockerwut und Rage Syndrom hört man auch Cockerrage, übersteigertes Aggressionspotential und Temperamentproblem, wenn es darum geht diesen Zustand zu beschreiben. Ab und an hört man auch, dass es sich um eine Extremform der Dominanzaggression handeln würde.

Zum Weiterlesen über die Cockerwut:
Anthony L. Podberscek, James A. Serpell: Aggressive behaviour in English cocker spaniels and the personality of their owners. In: The Veterinary Record. Bd. 141, Nr. 3, 1997, ISSN 0042-4900, S. 73–76, doi:10.1136/vr.141.3.73
The Cocker Spaniel Club - Parent Club of the Breed: What is Rage Syndrome?

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